So stieg die Nachfrage nach medizinischer und pflegerischer Versorgung am Standort Wesel erneut spürbar an. Das Evangelische Krankenhaus Wesel behandelte mehr als 15.000 Patient:innen stationär und fast 31.000 ambulant – ein Zuwachs von rund zehn Prozent. „Die Zahlen zeigen, dass die von der Regulatorik gewünschte Ambulantisierung auch bei uns in Wesel stärker in den Fokus rückt“, erläutert ten Brink. Mit dem neuen Landeskrankenhausplan NRW wurden in 2025 Versorgungsstrukturen neu geordnet und Ausgestaltung medizinischer Schwerpunkte gezielt unterstützt. Hier wurden dem EVK Wesel in gleich mehreren zentralen Leistungsbereichen deutliche Versorgungskapazitäten zugewiesen, und das Haus hat das vergangenen Jahr genutzt, damit eine verlässliche Grundlage für die zukünftige Ausrichtung zu schaffen. So ist beispielsweise die Klinik für Neurologie, Neurogeriatrie und Neurologische Frührehabilitation mit der der einzigen Stroke Unit im rechtsrheinischen Kreis Wesel seit Jahrzehnten in Region bekannt für eine Versorgung neurologischer Erkrankungen auf hohem fachlichem Niveau. Hier sieht der Landeskrankenhausplan einen weiteren Ausbau vor, welche ebenfalls in der Region einzigartig ist. Darüber hinaus stützen weitere medizinische Schwerpunkte die Zukunftsfähigkeit des Krankenhauses. Dazu zählt die onkologische Versorgung im zertifizierten Onkologischen Kompetenzzentrum Niederrhein ebenso wie die etablierten Kompetenzbereiche in der Allgemein- und Viszeralchirurgie: das seit fast zwanzig Jahren zertifizierte Darmzentrum, das neu gegründete Bauchkompetenzzentrum Niederrhein sowie das etablierte Schilddrüsenzentrum. Wie in allen Zentren profitieren hier die Patienten von einer engen interdisziplinäre Zusammenarbeit, dem Einsatz modernster Diagnostik- und Therapieverfahren sowie dem klaren Fokus auf leitliniengerechte, individuelle und möglichst schonende Behandlungsstrategien. Mit hohen Fallzahlen und der damit einhergehenden umfassenden Erfahrung sowie der kontinuierlichen Weiterentwicklung stärken sie nachhaltig die lokale und regionale Versorgung. Auch die Wirbelsäulenchirurgie wurde gezielt mit einem neurochirurgischen Angebot ergänzt weiterentwickelt und erfreut sich einer kontinuierlich steigende Nachfrage. Ergänzend zu den eigenen Leistungsbereichen runden seit 2025 Kooperationen mit anderen Krankenhäusern das Versorgungsangebot sinnvoll ab. „Der Landeskrankenhausplan bestätigt unseren Kurs und gibt uns die Möglichkeit, die medizinische Versorgung in der Region langfristig und verlässlich weiterzuentwickeln – mit dem Anspruch, für die Menschen weiterhin erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Fragestellungen zu sein“, betont Geschäftsführer Heino ten Brink. Auch wirtschaftlich behauptete sich der Gesundheitscampus in einem schwierigen Umfeld. Die Verantwortlichen schlossen das Jahr 2025 erneut mit einem soliden Jahresüberschuss ab. Trotz zunehmender Ambulantisierung und der spürbaren Effekte der Krankenhausplanung blieb das Ergebnis stabil. „Diese wirtschaftliche Grundlage brauchen wir dringend, um Investitionen und Sanierungen aus eigenen Mitteln mitzufinanzieren – denn die staatlichen Fördermittel reichen dafür nach wie vor nicht aus“, betont ten Brink.
Einen weiteren Schwerpunkt setzte der Campus im letzten Jahr in der Weiterentwicklung pflegerischer Angebote. In der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (e.Vita SAPV) verstärkte das Team gezielt den ärztlichen Bereich, um schwer erkrankten Menschen am Lebensende auch künftig eine verlässliche Begleitung zu Hause zu ermöglichen. Mit der Übernahme der ambulanten Pflege der AWO zum 1. Oktober 2025 weitete der Campus zudem seine sektorübergreifenden Pflege-Angebote aus. Vier Fahrzeuge und alle Mitarbeitenden wechselten in den Campusverbund und rund 300 betreute Menschen übernahmen die Pflegeteams nahtlos, ebenso wie die Tagespflegegäste und das zugehörige Personal im Haus Aaper Busch. So blieben eingespielte Strukturen erhalten und die Versorgung lief ohne Unterbrechung weiter. Mehrere große Zukunftsprojekte prägen zudem in diesem Bereich die Planung für die kommenden Jahre. Mit Wohnen und Leben am Dom plant der Campus ein modernes Ensemble aus einer ambulanten pflegerischen Wohngruppe mit zwölf Plätzen, Büroflächen für die Diakoniestation Niederrhein und 25 Servicewohnungen. Der Baustart ist ab 2027 vorgesehen – vorbehaltlich der Zustimmung der Aufsichtsbehörden.
Parallel dazu investierte der Campus 2025 umfangreich – und deutlich sichtbar - in bauliche und technische Modernisierungen. So sind nicht nur auf dem Gelände an der Schermbecker Landstraße die Fortschritte deutlich sichtbar. Am Krankenhausgebäude schritt die energetische Sanierung voran, die Fassade erhielt neue Dämmung und Fenster; die Restarbeiten folgen 2026. Mit der Inbetriebnahme der neuen Station 4a setzte der Campus einen weiteren Meilenstein in der Entwicklung eines modernen Genesungs- und Arbeitsumfelds gleichermaßen. Mit Station 4a haben wir ein modernes Umfeld geschaffen, das den berechtigten Erwartungen unserer Mitarbeitenden entspricht“, so ten Brink. Hinzu kommen der Beginn der Sanierung des Mitarbeiterwohnhauses am Kiek in den Busch sowie die nahezu fertiggestellte Überdachung der Elektivanfahrt. Aber auch im Christophorus-Haus Hamminkeln ging es voran: Der erste Abschnitt des Renovierungsfahrplans für die Innenräume ist mit dem frisch sanierten Eingangsbereich und Cafeteria abgeschlossen, der nächste startet in diesem Jahr. Für 2026 plant der Campus weitere große Schritte: Die Bauzielplanung wird konkretisiert, die dreijährige Modernisierung von sechs Aufzugsanlagen startet, das Café am Haupteingang erhält ein neues Gesicht und die Mitarbeiterumkleiden werden komplett erneuert.
Auch digital bewegte sich der Campus nach vorn. 2025 modernisierte das Team den gesamten Medikationsprozess digital und erhöhte mit dem sogenannten Close Loop-Verfahren sowohl die Patientensicherheit als auch Verbesserung der Arbeitsabläufe auf den Stationen für Mitarbeitende wie Patienten gleichermaßen. Zudem stärken Investitionen in die IT-Sicherheit die digitale Infrastruktur; neue Scanprozesse für medizinische Produkte und erweiterte Spracherkennungssysteme erleichtern den Alltag spürbar, mobile Arbeitsplätze ermöglichen eine direkte Dokumentation am Patientenbett. Zudem hat der Gesundheitscampus Wesel eine modernisierte Schrankenanlage eingebaut und arbeitet intensiv an einem neuen Parkplatzkonzept. „Es ist uns wichtig, hier eine nachhaltige und belastbare Lösung zu schaffen. Dafür arbeiten wir weiterhin mit der Stadt Wesel eng zusammen und sind aktuell in der Prüfung, ob und wie wir weitere Parkflächen erschließen können“, erläutert Geschäftsführer ten Brink. Allerding „brauchen diese Vorgänge leider einfach Zeit“, wirbt er um Verständnis, dass hier keine kurzfristigen Änderungen umzusetzen sind. Digitale Zeitschriften in Wartebereichen und auf Bedsideterminals ergänzen sukzessive das Angebot. „Die Digitalisierung ist kein Selbstzweck, sondern eine zentrale Voraussetzung für eine moderne, sichere und patientenorientierte Versorgung. Nur wenn wir heute in digitale Lösungen investieren, schaffen wir den Gesundheitscampus von morgen“, betont ten Brink. Für 2026 plant der Campus weitere wichtige Digitalisierungsschritte: Die vollständige Umsetzung des Patientenportals mit digitaler Terminvergabe sowie unter anderem die Digitalisierung der Anästhesie mit einem PDMS-System sind bereits ins der Planung. Insgesamt will der Campus allein in Bau, Sanierung und Digitalisierung 5,4 Millionen Euro investieren.
Mit all diesen Maßnahmen stärkt der Gesundheitscampus seine Rolle in der regionalen Versorgung stationär, ambulant und sektorenübergreifend. „Uns ist bewusst, dass die kommenden Jahre viel Veränderung mit sich bringen. Umso wichtiger ist es, dass wir heute aktiv gestalten – mit klarem Kurs, starken Teams und dem Anspruch, allen Menschen in der Region eine verlässliche und hochwertige Versorgung zu bieten“, sagt Heino ten Brink.