Ein kleiner Würfel erweitert die Refluxtherapie

Refluxzentrum am EVK Wesel bietet neue OP-Option für Betroffene mit geschwächter Speiseröhre

Für die meisten Menschen mit einer Refluxerkrankung stehen bewährte medikamentöse und operative Behandlungen zur Verfügung. Schwieriger war die Situation bislang für Betroffene, welche zusätzlich an einer Beweglichkeitsstörung der Speiseröhre leiden. Für sie kamen etablierte Operationsverfahren häufig nicht infrage. Das Refluxzentrum Niederrhein am Evangelischen Krankenhaus Wesel schließt diese Behandlungslücke nun mit dem sogenannten RefluxStop, einem kleinen Würfel aus medizinischem Silikon, der dieser besonderen Gruppe eine zusätzliche minimalinvasive Therapieoption eröffnet.

Bei mehr als 80 Prozent der Reflux-Betroffenen –also Patienten, bei denen der Mageninhalt in die Speiseröhre zurückfließt liegt keine solche Schwäche der Speiseröhre vor. Für sie nutzt das Behandlungsteam des Refluxzentrums unter der Leitung von Chefarzt Dr. Hansen weiterhin die bewährten Behandlungsmöglichkeiten. Anders sieht es aus, wenn die Muskulatur der Speiseröhre die Nahrung nur eingeschränkt weitertransportiert. In diesen Fällen eignen sich herkömmliche Operationsverfahren unter Umständen weniger, weil sie den Übergang zwischen Speiseröhre und Magen zusätzlich verdicken. „Entscheidend ist, die Ursache und mögliche Begleiterkrankungen des Refluxes genau zu untersuchen, bevor wir über eine Behandlung entscheiden“, sagt Dr. med. Vivianda Menke, Refluxspezialistin und Oberärztin der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Onkologische Chirurgie. „Für Betroffene mit einer Beweglichkeitsstörung der Speiseröhre fehlte uns bislang eine passende operative Möglichkeit. Mit diesem Verfahren können wir nun auch diese Patienten individuell und gezielt minimalinvasiv behandeln.“

Kern des neuen Verfahrens ist dabei ein kleiner Würfel aus medizinischem Silikon. Das Implantat stabilisiert den Übergang zwischen Speiseröhre und Magen in seiner anatomisch vorgesehenen Position unterhalb des Zwerchfells. Dort wirkt es als mechanischer Stopp und verhindert ein erneutes Heraufgleiten. Anders als Verfahren, die den Bereich um die Speiseröhre einengen, übt dieses Implantat keinen konstanten Druck auf die Speiseröhre aus. Das spielt vor allem für Betroffene eine wichtige Rolle, deren Speiseröhrenmuskulatur bereits geschwächt ist und deren Nahrungspassage deshalb besondere Aufmerksamkeit erfordert. „Reflux ist nicht bei allen Betroffenen gleich. Deshalb brauchen wir unterschiedliche Verfahren, die wir gezielt nach dem jeweiligen Befund einsetzen können“, erklärt Expertin Dr. Menke weiter. „Mit dieser neuen Behandlungsoption schließen wir eine Lücke in unserem Behandlungsspektrum und können nun auch Menschen effektiv behandeln, für die bisherigen Verfahren kaum oder nicht geeignet waren“, so die erfahrene Chirurgin.

Aufgrund ihrer hohen Anforderungen an Erfahrung, Diagnostik und operative Qualität ist das EVK Wesel eine von nur elf Kliniken deutschlandweit, die als spezialisiertes Zentrum den „RefluxStop“ einsetzen dürfen. Die schonende Behandlungsmethode wird hier minimalinvasiv und mithilfe des OP-Roboters operiert und erfordert in der Regel einen stationären Aufenthalt von drei Nächten. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten vollständig. Auch die Nachsorge erfolgt vor Ort im Refluxzentrum, sodass Behandlungsergebnisse langfristig gesichert und der Genesungsverlauf eng begleitet werden können.

Jährlich profitieren rund 500 Patienten ambulant und stationär von der Expertise im Refluxzentrum am EVK Wesel. Die Spezialisten versorgen etwa 200 von ihnen operativ – überwiegend minimalinvasiv, mit robotischer Unterstützung und in der Regel kurzstationär. Mit dem neuen Verfahren erweitert das bestehende Angebot nun gezielt. Ziel der Weseler Experten ist es, für jeden Patienten das passende Verfahren auszuwählen, den Reflux nachhaltig zu beseitigen und möglichst auch die Abhängigkeit von einer dauerhaften Medikamenteneinnahme samt möglicher Nebenwirkungen zu beenden.

Kontakt:
Das Refluxzentrum ist erreichbar unter:
Sekretariat der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Onkologische Chirurgie
Tel.: 0281 106-2100
Fax: 0281 106-2199
E-Mail: allgemeinchirurgie@evkwesel.de

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