Die strukturierte Übergabe fest im Blick: Erster Jahrgang der EVK-Pflegetrainees schließt mit wegweisendem Projekt ab

Der erste Jahrgang des Pflege-Traineeships am Evangelischen Krankenhaus Wesel hat sein Qualifizierungsprogramm erfolgreich abgeschlossen – mit wegweisenden Ergebnissen. So entwickelten Claire Glowicki, Jana Oymanns und Pia Steinmeyer im Rahmen ihres Traineeprojekts ein strukturiertes Übergabemodell für die Pflege und stießen damit ein wichtiges Vorhaben für die stationäre Versorgung an: Pflegeübergaben sollen durch den übersichtlichen und dennoch auf jede Station individuell abgestimmten Leitfaden klarer, vollständiger und verlässlicher werden. Denn dies stärkt die Sicherheit der Patienten ebenso wie die Zusammenarbeit in den Teams.

Pflegeübergaben gehören zu den entscheidenden Momenten im Klinikalltag. Wenn ein Dienst endet und der nächste beginnt, müssen relevante Informationen über die zu betreuenden Patienten verständlich und vollständig weitergegeben werden. Dazu zählen Diagnosen, Risiken, Auffälligkeiten, Medikation, Mobilität, Wund- und Drainagesituationen, Schmerzangaben, geplante Maßnahmen und Hinweise zur Entlassung. „Es ist auch für die Pflegefachperson der wichtige Zeitpunkt der Verantwortungsübernahme und -abgabe“, erklärt Trainee Claire Glowicki den Ansatz. Fehlen Informationen oder unterscheiden sich Übergaben von Station zu Station stark, entstehen Unsicherheiten, Rückfragen und zusätzliche Belastungen. „Eine gute Übergabe ist weit mehr als ein organisatorischer Ablauf. Sie ist ein zentraler Beitrag zu sicherer Pflege, zu klarer Verantwortung und zu einer verlässlichen Versorgung unserer Patienten“, weiß auch Jörg Rebhun, Leitung Pflegmanagement am EVK Wesel. Der erfahrene Pflegexperte ist sich sicher, dass „die Expertise langjähriger Pflegefachpersonen gemeinsam mit dieser wissenschaftlichen Methodik konkrete Verbesserungen für den Alltag und eine deutliche Verbesserung für die Patienten bewirken können.“ Das Projekt sei deshalb auch von generationenübergreifender Relevanz.

Das Projekt startete im Juli 2025 mit der Themenfindung. Danach folgten eine Literaturrecherche sowie eine Mitarbeitendenumfrage im Herbst 2025. Knapp 95 Prozent der Teilnehmenden bewerteten die Übergabe als ausschlaggebend für sicheres und kompetentes Handeln in der Schicht. Mehr als die Hälfte nahm die Qualität der aktuellen Übergaben als unterschiedlich wahr. Zudem zeigte die Befragung, dass Übergaben häufig durch äußere Einflüsse unterbrochen werden. Zugleich machten die Ergebnisse deutlich, welchen Nutzen klare Strukturen für die Mitarbeitenden in der Pflege haben. Viele Befragte erleben beispielsweise eine vollständige und gute Übergaben als stresssenkend. 

Auf dieser Grundlage entwickelten Claire Glowicki, Jana Oymanns und Pia Steinmeyer einen Übergabeleitfaden nach dem international etablierten SBAR-Modell. SBAR steht für Situation, Background, Assessment und Recommendation. Das Modell gibt so der Übergabe eine feste Reihenfolge und unter diesen Clustern werden die ganz unterschiedlichen aktuellen Angaben zum Patienten gebündelt. „Wir wollten kein theoretisches Modell entwickeln, das am Stationsalltag vorbeigeht“, stellt dazu Pia Steinmeyer klar. Ihren Mitstreiterinnen und ihr war es wichtig, eine Struktur zu schaffen, die Pflegefachpersonen wirklich unterstützt: „Verständlich, praxisnah und flexibel genug für unterschiedliche Stationen. Die Befragung der Kollegen war dafür besonders wichtig, weil sie gezeigt hat, wo der Bedarf im Alltag am größten ist“, so die studierte Pflegewissenschaftlerin, die bereits das berufsbegleitende Studium auf dem Gesundheitscampus Wesel abgeschlossen hat.

Aktuell arbeitet Trainee-Team noch an einer Evaluation über eine erneute Mitarbeitendenumfrage. Sie soll zeigen, wie sich das Modell auf Übergabequalität, Arbeitszufriedenheit und Zusammenarbeit auch langfristig auswirkt. Schon jetzt zeigt das Projekt: Entscheidend ist nicht nur der Leitfaden, sondern die Begleitung der Veränderung im Alltag. „Veränderungen in der Pflege gelingen, wenn sie gemeinsam mit den Teams entwickelt werden“, ist sich Pflegemanagementleitung Jörg Rebhun sicher. Denn Projekte wie dieses verbinde wissenschaftliches Arbeiten mit konkretem Nutzen für die Versorgung – die viel beschriebene Akademisierung der Pflege wirkt sich dabei auch auf die Attraktivität des Arbeitsplatzes aus. „Es stärkt die Pflegequalität, die Patientensicherheit und das professionelle Selbstverständnis unserer Pflegefachpersonen“, so Jörg Rebhun weiter. 

Mit dem erfolgreichen Abschluss des ersten Pflege-Traineeships setzt das EVK Wesel so jedenfalls ein wichtiges Zeichen für die Weiterentwicklung der Pflege. Das Programm fördert Fach- und Projektkompetenz und die Fähigkeit, Verbesserungen im klinischen Alltag umzusetzen und wird in diesem Jahr fortgesetzt – mit neuen Trainees und einem neuen Projekt. 

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